Desiderius Erasmus von Rotterdam

Desiderius Erasmus von Rotterdam war ein niederländischer Philologe und einer der bedeutendsten Repräsentanten des europäischen Humanismus. Durch seine kirchenkritische Haltung gilt er als Vorreiter der Reformation und zugleich als ein Verfechter ausgeprägter religiöser Toleranz. Er schrieb, übersetzte und editierte unzählige Werke und  zählte bereits zu Lebenszeiten zu einer der treibenden gesellschaftlichen Kräfte. Er gilt heute als der bedeutendste Humanist des 16. Jahrhunderts, als ein Gelehrter von universaler Bildung und ein glänzender lateinischer Stilist. Als kritischer Denker seiner Zeit zählte Erasmus zu den Wegbereitern der europäischen Aufklärung und wurde gleichermaßen von Spinoza, Rousseau, Voltaire, Kant, Goethe, Schopenhauer und Nietzsche geachtet. Auch galt er als einer der ersten „Europäer“ und hoffte auf die „Vernunft“ der Herrschenden, auch ohne Krieg zu einem dauerhaften Frieden zu kommen. Er legte Wert auf Neutralität und Toleranz und sah die Gefahren der Religionskriege voraus. Er korrespondierte mit fast allen Herrschern und Päpsten seiner Epoche und wurde allseits für seine offenen Worte und seinen brillanten Stil bewundert und geachtet.

Vermutlich am 28. Oktober 1466 in Rotterdam geboren besuchte er die Schule in Deventer, die er 1485 zwar ohne Abschluss, jedoch mit guten Lateinkenntnissen verließ. Auch erfuhr er eine erste Prägung, die sich durch die Begegnung mit Rudolf Agricola und Alexander Hegius, zwei der humanistischen Vordenker seiner Zeit, entwickelte. 1487 trat er auf Wunsch seiner Vormünder  in das Augustinerchorkloster „Klooster Emmaüs te Stein“ bei Gouda ein und widmete sich dort besonders der klassischen Literatur und Poesie. Als Chorherr empfing Erasmus im April 1492 die Priesterweihe und verließ das Kloster daraufhin als Sekretär im Dienste des Bischofs von Cambrai Heinrich von Glymes und Berghes.

Von 1495 bis 1499 studierte er Theologie an der Universität Sorbonne in Paris und lernte schon bald weitere wichtige Humanisten seiner Zeit kennen. Von 1500 bis 1506 hielt er sich abwechselnd in den Niederlanden, in Frankreich und in England auf, bis er 1506 nach Italien zog. Hier widmete er sich verschiedener Schriftstudien und erlangte den Grad eines Doktors der Theologie, womit verbunden er den Titel eines Reichsbarons erhielt. In Venedig lernte er den renommierten Verleger Aldus Manutius kennen und ließ bei ihm einige seiner Werke drucken. Anschließend zog er nach England, wo er von 1510 bis 1515 an der Universität Cambridge Griechisch lehrte. 1511 ernannte der Erzbischof William Warham ihn zum Rektor der Gemeinde St. Martins Church. Dieses Amt legte er aber bereits ein Jahr später nieder, um daraufhin in Löwen (Leuven) unter anderem als Erzieher des Prinzen Karl, später Kaiser Karl V., zu wirken.

In den Jahren nach seiner Studienzeit wurde Erasmus insbesondere wegen seiner Auseinandersetzung mit Luther und der Reformation bekannt. Erasmus und Luther haben sich nie persönlich kennengelernt, führten jedoch ab 1519 einen intensiven, mehr oder weniger öffentlichen Briefwechsel. Während Luther eine „harte Linie“ gegen das dekadente Papsttum der römisch-katholischen Kirche vertrat, setzte sich Erasmus für „innere Reformen“ ein und bat Luther um Mäßigung. Von 1514 bis 1529 lebte und wirkte Erasmus in Basel und ließ hier weitere seiner Schriften drucken, die sich größtenteils mit den Missständen in der Kirche und der Politik beschäftigten. In der Zeit ab 1514 schrieb Erasmus etwa 150 Bücher und korrespondierte in über 2000 Briefen mit allen Größen seiner Zeit. Nachdem er 1529, aufgrund der in Basel eingeführten Reformation, nach Freiburg im Breisgau zog, kehrte er 1535 nach Basel zurück und verstarb dort am 12. Juli 1536. Teile seines Nachlasses sind heute im Historischen Museum Basel ausgestellt.

Spenden